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Anleitung zum Erfolgreichsein von Andreas Dölling

Titelbild: Anleitung zum Erfolgreichsein

Als Freelancer ist man einer unter vielen. Unter sehr vielen. Wie schafft man es nun, sich aus der Menge zu lösen, sich bemerkbar zu machen, zu zeigen, dass man auf jeden Fall der Freelancer ist? Unsere Anleitung zum Erfolgreichsein verrät Ihnen alles, was Sie wissen müssen.

Nicht nur im Leistungssport wird heutzutage mit allerlei erlaubten und unerlaubten Mittelchen dem Erfolg ein wenig nachgeholfen, sondern – seien wir mal ehrlich – in fast allen Lebenslagen, ob privat oder im Beruf. Und gerade als Freiberufler im IT-Geschäft sollten Sie gut gewappnet sein, um im tagtäglichen Kampf um Aufträge die Nase vorn zu haben. Hier daher einmal ein paar todsichere Kniffe, mit denen Sie die Konkurrenz auf jeden Fall weit hinter sich lassen werden!

Ich bin Legion

Ganz, ganz wichtig für Ihren Erfolg als Freiberufler ist, niemanden erfahren zu lassen, dass Sie Freelancer sind, sprich: dass Sie Einzelkämpfer sind.
Einzelunternehmertum ist popelig, nur etwas für Verlierer. Ihre Kunden und Geschäftspartner werden Ihnen auf der Nase herumtanzen, wenn sie auch nur ahnen, dass Sie nicht mindestens zwanzig Mitarbeiter haben. Ihr goldener Weg aus dieser Zwickmühle ist der Pluralis Majestatis: reden Sie, wo es nur geht, von sich in der Wir-Form – auf Ihrer Website, in Ihren Angeboten, in Ihren Rechnungen, auf Ihren Werbe-Flyern – überall.

Das ist ein todsicherer Trick, den garantiert niemand durchschaut und der aus Ihnen einen dicken Hecht im IT-Karpfenteich machen wird!

Phrasen machen Leute

Machen Sie Ihre Sprache zu einem wirksamen Marketinginstrument. Worte sind noch immer – trotz Wäppzwonull und Multimedia – das Kommunikationsmittel schlechthin. Und gleichzeitig sind sie noch immer hervorragend dazu geeignet, sich gegenüber anderen abzugrenzen und sich in bestimmter Weise darzustellen. Nutzen Sie Sprache, um zu zeigen, dass Sie ein ernstzunehmender Geschäftsmann sind! Hier die wichtigsten Faustregeln für Sie:

  • Sagen Sie zum Beispiel niemals »Guten Tag«, »Guten Morgen« oder »Hallo«, sondern stets »Ich grüße Sie«!
  • Benutzen Sie Wörter wie »involvieren« statt »einbeziehen« oder »beteiligen«. Und »realisieren« statt »erkennen« oder »sich über etwas klar werden«. Und lassen Sie sich bloß nicht einreden, »realisieren« heiße im Deutschen »verwirklichen«!
  • Zeigen Sie, dass Sie in der globalisierten Welt zu Hause sind – sprechen Sie international! Flechten Sie ab und an ein lässiges »By the way« oder »anyway« ein. Sagen Sie, dass Ihnen etwas »too much« sei. Die Wirkung wird verblüffend sein.
  • Benutzen Sie Abkürzungen, wo es nur geht. Nichts ist stilvoller als ein herzliches »cu« oder »mfG«, ein entschlossenes »asap« oder ein eher nachdenkliches »afaik«.
  • Benutzen Sie fachchinesische Wendungen, um Ihren Ausführungen mehr Gewicht zu verleihen. Es macht den Kunden geschmeidiger, wenn er einfach mal nur Bahnhof versteht und sieht, mit was für komplizierten Dingen Sie sich so tagtäglich auseinandersetzen. Für »SEO« können Sie doch beispielsweise gleich doppelt soviel abrechnen wie für schnöde Suchmaschinenoptimierung.
  • Sagen Sie oft »effizient«.

Xingen Sie die Welt!

Wichtiger noch, als dass man Sie kennt, ist, dem Kunden zu zeigen, dass man Sie kennt. Das geht sehr bequem über virtuelle Netzwerke wie Xing und andere. Laden Sie Leute ein, viele Leute! Nehmen Sie in Ihre Kontaktliste auf, was nicht bei drei die DSL-Leitung gekappt hat! Nichts dokumentiert Ihre gesellschaftliche und geschäftliche Bedeutung wirkungsvoller als eine Xing-Kontaktliste mit 200 und mehr Einträgen.

Hansdampf in allen Gassen

Kunden vertrauen Ihnen umso eher, je mehr verschiedene Leistungen Sie anbieten. Der Zusammenhang dabei ist streng linear: breiteres Angebotsspektrum, mehr Vertrauen.

Eine lange »Skill-Liste« (benutzen Sie bitte das Wort »Skills«, keinesfalls aber »Kenntnisse« oder »Fertigkeiten«!) ist wie die mächtige Mähne eines Löwen im Tierreich, wenn er um die Gunst der Weibchen buhlt, wie das Schwanzgefieder des Pfauen oder der leuchtend rote Hintern des Pavians. Und je bunter Ihre »Skill-Liste« gemischt ist, desto wirkungsvoller ist sie. Den Kunden interessieren Fragen nach Plausibilität oder Relevanz nicht – er will einfach etwas geboten bekommen für sein Geld.

Schreiben Sie also alles auf, was Ihnen so in den Sinn kommt – von »Erfahrung mit Windows / Linux / Mac OS« über »MS Word« und »Excel« bis hin zu Logo-Design, Corporate Design, Projektmanagement, Javascript, AJAX, Web 2.0, HTML, XHTML, DHTML, CMS, PHP3, PHP4, PHP5 etc. Und belassen Sie es nicht dabei! Aus dem Stichwort CMS können Sie locker sechs, sieben weitere Punkte machen, und PHP5 ist nicht gleich PHP5 – denn Sie können PHP5 mit Homesite, Dreamweaver, Eclipse, Notepad++, BBEdit, Textwrangler und UltraEdit!

Versuchen Sie, Ihre »Skill-Liste« auf mindestens 50 Punkte zu pimpen! Geben Sie alles! Denken Sie an die Paviane!

Die Trophäen

Natürlich werden Sie bei Beherzigung der bereits aufgezählten Tipps mächtig Eindruck sowohl bei Kunden als auch bei der Konkurrenz machen. Dennoch wollen besonders misstrauische Zeitgenossen zusätzlich noch sehen, was Sie denn bislang alles schon gemacht haben. Hier kommt Ihre Referenzliste ins Spiel. Es verhält sich mit ihr wie mit allen »Skill«-, Kontakt- und sonstigen Listen: sie muss lang sein, denn sonst ist es ja keine richtige Liste.

Führen Sie also auf jeden Fall alles unter Ihren Refenzen auf, woran Sie auch nur im Entferntesten jemals mitgewirkt haben. Und seien Sie nicht zu bescheiden. Sie haben einmal als freier Mitarbeiter bei einer großen IT-Firma für deren DAX-30-Kunden Mustermann AG Inhalte per Copy & Paste in ein Redaktionssystem eingepflegt? Dann schreiben Sie: »Redaktionelle Arbeit für die Mustermann AG« – und vielleicht auch noch »CMS-bezogene Projektarbeit für die Mustermann AG«. Ist ja nicht gelogen. Und alle Welt sieht, dass Sie auch für Großkonzerne tätig sind. Gut, wenn Sie Pech haben, werden Sie sowohl von dem Konzern als auch von der IT-Firma abgemahnt, aber hey: wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Vernachlässigen Sie aber beim Zusammenstellen Ihrer Referenzliste auch nicht die Web-Visitenkarte, die Sie vor 7 Jahren für die Fahrschule Krause gebaut haben. Setzen Sie diese Referenz ruhig direkt neben den Hinweis auf Ihre Arbeit für die Mustermann AG. Das zeigt nämlich, wie vielseitig Sie sind. Und wenn Sie als Student einmal als Hiwi die Website Ihres Lehrstuhls betreut haben, ab damit in Ihre Refenzliste (auch wenn es die von Ihnen geschaffene Website gar nicht mehr gibt)! Sie haben Logo und Briefpapier Ihres Schachvereins gestaltet, weil Sie als einziger mit »MS Word« umgehen können? Gehört ganz ohne Zweifel auch in die Liste, direkt neben Ihre Programmierprojekte.

Backen Sie große Brötchen, aber legen Sie ruhig auch die kleinen und die verbrannten in die Auslage! Demonstrieren Sie Ihre Vielseitigkeit, Flexibilität und Ihren schier unermesslichen Erfahrungsschatz.

Der allerwichtigste Trick ...

... kommt ganz zum Schluss. Oder sagen wir: käme – denn diesen Kniff aller Kniffe behalte ich dann doch lieber für mich selbst. Schließlich will ich nicht, dass Sie mich demnächst mit meinen eigenen Waffen schlagen!

Der Autor

 Andreas DöllingAndreas Dölling arbeitet seit 1999 als Web- Entwickler, kann es aber nicht lassen, seine Nase immer wieder in Bereiche zu stecken, die ihn eigentlich gar nichts angehen, und seine Meinung dazu kundzutun.

Titelbild: »Peacock show off« von HenriFaure via istockphoto.com

01.09.20089 Kommentare

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Kommentare

Erst mal herzlichen Glückwunsch zu eurer sehr gelungenen Webseite - schlicht und ergreifend.
Super witzig geschrieben dieser Artikel. Bei aller Ironie durchaus informativ und zutreffend. Auch ich habe einige dieser Tipps bei meiner gerade veröffentlichten Site beherzigt.
Anyway - ich grüße euch.

Köstlich!

Da hast Du wirklich einen guten Mix aus "nogo´s" und "must have´s" zusamengestellt.

Und "by the way": Herzlichen Glückwunsch zum "Launch" Eurer neuen Website! Weiter so!

Übrigens: Im Haifischbecken der EinManArmeen sollte man auch auf seiner Visitenkarte CEO oder Geschäftsführer stehen haben.

Denn gelogen ist das ja auch nicht !

@DC: Verdammt, Du hast recht - das mit dem »CEO« hätte eigentlich zwingend in den Artikel hineingehört. Dass ich’s vergessen habe, muss wohl daran liegen, dass ich selbst gar keine Visitenkarten besitze …
;)

Mist, ich mache aber auch wirklich alles falsch, was man falsch machen kann! Kein Wunder, dass ich keine Aufträge bekomme! Muss sofort mein gesamtes Marketing umstellen!

Ein Netz-Magazin von Dirk Hesse gestaltet, auf Basis von Drupal. Ich wäre ziemlich neidisch, wenn ich mich nicht so freue würde!

Die Besten Wünsche zu Start und eine Ergänzung zu Text oben: "Mach Dir einen Namen mit kuhlen Projekten!" Wie gut könnt ihr Drupal?

eine Agentur, die solche "Tricks" benutzt, offenbar mit voller Überzeugung ("internalisiert"), haben wir gerade für immer abgehakt ...

Harhar! Danke für Deine Tipps und Tricks -- da muss ich ja jetzt unbedingt einen perfekten Re-Launch veranstalten um nicht den Anschluss zu verlieren: neue Visitenkarten sind ja eh fällig -- diesmal mit Zutaten wie CEO oder einfach General Direktor.

Und dazu Glückwunsch zum Magazin. 3 Artikel gelesen und Freude über ein neuen Feed macht sich breit; auch wenn ich dann seltener das gelungene Layout geniessen darf.

Großartiger Artikel, wirklich angenehm zu lesen, wie auch alle anderen bislang.
Diese Seite ist wirklich mal ein toller Neuzugang für meinen Feedreader und ich kann nur viel Erfolg wünschen!

Danke für diesen wunderbaren Artikel.
Ich hoffe, dass es hier nach und nach mehr von dem Stoff gibt:)

Viel Erfolg

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