Die eine Software dient zum Bloggen, andere Lösungen schaffen Shops, wieder andere bieten tolle Newsletter-Funktionen. Schön und gut, möchte man meinen. Aber ist das etwa schon alles?
Es war vor langer, langer Zeit, da erfanden ein paar findige Programmierer Lösungen für spezielle Probleme. Zum Beispiel Wordpress zum Bloggen, oder Typo3, um Webseiten zu erstellen. Am Anfang hatten diese Programme noch fest umrissene Aufgabengebiete, aber mit der Zeit wuchsen sie und wuchsen sie. Wer jetzt noch glaubt, Wordpress wäre nur gut fürs Bloggen und Typo3 wäre ein Content-Management-System, der ist von der Kreativität einiger Zeitgenossen verschont worden. Im ganzen Land machen sich Horden von Programmieren daran, gut durchdachte Software zweckzuentfremden und zu verbiegen. Bis der ein oder andere unbedarfte Nutzer zu dem verqueren Urteil kommt: Der Shop in Wordpress ist aber echt doof, da nehm ich doch lieber Typo3. Wie ist es dazu gekommen?
Vor ein paar Jahren dachte ich noch, dass es Bereiche gäbe, wo man nur mit individuell programmierten Lösungen einem optimalen Ergebnis am nächsten kommt.
Einige Jahre und viele Projekte haben mich aber eines bessern belehrt. Kein Mensch braucht mehr individuelle Lösungen. Es wurde schon alles erfunden. Alles. Und wenn man noch keine fertige Softwarelösung gefunden hat, dann wahrscheinlich nur, weil man nicht lange genug danach gesucht hat.
Die alltäglich Arbeit eines Programmierers besteht daher hauptsächlich aus Anpassungen dieser schon vorhandenen Lösungen. Aber dies sind ja wohl kaum noch echte Herausforderungen. Die meisten Standardlösungen sind schließlich so hervorragend programmiert, dass eine bloße Anpassung ein Kinderspiel ist. Es ist daher nur eine lästige Pflichtübung mit Mediawiki ein Wiki, mit Wordpress ein Blog, mit Typo3 eine Website oder mit XT-Commerce einen Shop umzusetzen. Das kann ja nun beinahe jeder, der einen Baum umrunden kann, ohne sich zu verlaufen.
Eindimensional war gestern
Wenn man sich aber all diese an sich hervorragenden Produkte anschaut, so kann man doch einen systematischen Denkfehler ausmachen. Ein Fehler, der all diesen Dingen gemein ist: Sie sind zu speziell. Zu eindimensional. Sie tragen einfach nicht mehr den heutigen Anforderungen Rechnung.
Manche Menschen glauben doch tatsächlich, dass sie den Erfordernissen einer immer komplexer werdenen Welt (Multifunktionstisch) mit eindimensionalen Ideen begegnen können (Kochlöffel). Diese Menschen können einem einfach nur leid tun. Wahrscheinlich würden diese sogar behaupten, es würde genügen mit einem Handy nur telefonieren zu können.
Wer die Augen vor der Realität nicht verschließen und nicht zu den ewig Gestrigen gehören möchte, die immer noch Euro in DM umrechnen, der kann doch folgende Entdeckungen machen: Welches Blog hat denn keinen Shop und welches Wiki kommt denn heute noch ohne Community-Funktionen aus? Auf jeder noch so kleinen Webseite gibt es einen internen Bereich und sei es nur, um dort exklusiv die aktuelle Uhrzeit zu erfahren. Fortschritt, wo man nur hinschaut.
Deshalb kann ich ohne schlechtes Gewissen behaupten: Insellösungen braucht kein Mensch mehr. Gottseidank ist unsere Zunft ja erfinderisch.
Mehr ist mehr
Früher haben wir einfach nur versucht, bestimmte Probleme zu lösen. Jetzt, im nächsten Entwicklungszyklus, dem wasauchimmer 2.0, haben wir dazugelernt. Wir müssen jede Problemstellung in einem größeren Kontext betrachten. Und wenn wir diesen Kontext nicht haben, dann kopieren wir halt einen von einem anderen Projekt.
Auf jeden Fall müssen die Grenzen des Denkens überwunden werden. Dies wird immer weiter vorranschreiten, bis wir auch schließlich das Denken selbst überwunden haben. Standardlösungen können dabei sicher nicht helfen.
Wir sollten daher noch öfter dem Wahlspruch folgen: »Nur weil ein Flugzeug fliegen kann, heißt es ja noch lange nicht, dass man damit nicht auch tauchen kann.«
Das ist vollkommen richtig. Das kann man nämlich.
Zumindest einmal.
Und dieses Prinzip kann man auch prima auf Software übertragen: All dieses Standardlösungen müssen zusammengeführt werden. Nicht nur mittels Schnittstellen verbunden werden. Dies wäre kleingeistig und wenig visionär. Wir müssen am großen Rad drehen. Zum Glück kann ich dies in mehr Projekten erkennnen.
Die Menschen dort draußen scheinen endlich zu verstehen, dass mehr auch wirklich besser bedeutet. Das gilt auch für Software.
Durch eine Vielzahl von Erweiterungen einer jeden Einzellösung werden wir uns Stück für Stück, von allen Seiten gleichzeitig, einer allumfassenden Software annäheren. Mir schwebt auch schon ein Name vor: Chimaera.
Der Autor
Guido Boyke ist als selbstständiger Webentwickler in Hamburg tätig. Er arbeitet haupsächlich in den Bereichen Typo3 und PHP. In letzter Zeit hat er aber auch ein Auge auf Ruby on Rails geworfen.
Titelbild: »Chimaera in Cathedrale Notre-Dame de Paris« von Lloret via istockphoto.com
Kommentare
Marc schrieb am 12.12.2008:
Chimaera. Aha. Das ist genau das was wir nicht brauchen. Was soll ich denn mit einem Shop, wenn ich eine Arzt-Website mache, was soll ich mit einem Wiki wenn es nur um einen Blog geht. Eine alles integrierende Software wäre zu 95% Overkill. Wofür ich auch Typo3 halte, aber das nur Rande. Die Zukunft sieht eher modular aus. Ein Grundframework, das es erlaubt, alle möglichen Lösungen zu vereinen, das aber dem Ersteller selbst überlässt. Klar, wenn Du unter einer allumfassenden Software verstehst, dass man genau das hat (die Freiheit, ein solides, kleines Grundsystem so zu erweiten wie man will und das möglichst einfach), gebe ich DIr recht.
Andreas Doelling schrieb am 12.12.2008:
@Guido + Nicolai: vielleicht sollten wir doch Ironie- und Sarkasmus-Tags verwenden … Und ganz viele Smilies.
*lol* grins! rofl :) :) ;) ;) nur Spaß mach
Gerrit van Aaken schrieb am 12.12.2008:
Ich habe den Text nicht verstanden. Bin ich doof?
Cörv schrieb am 12.12.2008:
Ich versteh das auch nicht so ganz? Ist das jetzt ernst gemeint, oder doch nur ein riesiger Spaß?
Also ich würd da auch eher dem Marc beipflichten. Um mal das Beispiel mit dem Handy aufzugreifen. Ich hab eins das kann auch alles, aber nix richtig und das nervt mich tierisch. Besonders wenn ich vor lauter Kram auf dem Handy, die Sachen, die ich benutze nicht wiederfinde.
Und letztens, da hab ich mir überlegt, ob ich mir nicht ein neues Handy kaufen sollte und hatte auch eins gefunden, dass mir gefallen hat. Dann hab ich mir ein paar Testberichte angeschaut und es hatte auch überall gute Bewertungen, außer bei den Telefonfunktionen.
Daher fänd ich das glaub ich nicht so "ewig gestrig", wenn man sich wieder mehr auf die Kernfunktionen konzentrieren würde und dann nach Bedarf modular nachrüsten kann.
Das Prinzip vom Web 2.0 ist ja Dinge zu vereinfachen, damit umso mehr Leute mitmachen können. Da wäre es doch blöd wenn man im nächsten Schritt auf Web 3.0 alles wieder durch unnötige Funktionen komplizierter machen würde.
cortex schrieb am 12.12.2008:
die stossrichtung des artikels lässt sich leider nur ahnen, da ironie + sarkasmus die grenzen eines stilistischen mittels durchstossen.
schlussendlich bleibt ein grosses fragezeichen. einen interessanten artikel würde ich noch einmal lesen - bei diesem hier versagt meine motivation.
war was ?
cx
GuidoBoyke schrieb am 12.12.2008:
Tja, manchmal läuft es anders als gedacht. Offensichtlich ist es schwierig Ironie so zu verkaufen, daß sie als solche wahrgenommen wird. Ich dachte, daß meine offensichtlichen Übertreibungen genügend Hinweise auf meine Intention geben würden. Dem war wohl nicht so. Deshalb nochmal für alle späteren Kommentare: Nein, ich finde es keine gute Idee die eierlegende Wollmilchsau zu programmieren. Ja, ich finde modulbasierte Programmierung toll. Ich mag es wenn man Software für die Problemlösung einsetzt für die sie auch programmiert wurde. Nein, ich mag es nicht wenn man für alle Probleme dieser Welt mit derselben Lösung anrückt (Nach dem Sprichwort: Für jemanden der nur einen Hammer hat, sieht die ganze Welt wie ein Nagel aus).
Stefan schrieb am 12.12.2008:
Ist doch klar, dass das Ironie ist. Richtig lesen schadet nie ;)
Meine Argumente gegen „Chimaera“ sind:
1. Performance: Klar kann ich eine Trillionen WordPress-Plugins installieren, aber ob die 40 parallelen Datenbankanfragen so gut sind …
2. Sicherheit: Jeder Fuzzi kann so ein Plugin programmieren. Runterladen, reinknallen, aber nicht wissen was es macht.
3. Übersichtlichkeit: Ist doch wirklich nicht schön, wenn alles so voll ist und man nur 5 % der Funktionen benötigt.
4. Einfachheit: Anpassungen und „Aufboren“ von bestehenden Systemen ist aufwändiger, als es (mit Framework) selber zu programmieren.
Gunnar schrieb am 12.12.2008:
Ist so ein wenig wie im Heise-Forum. Alles Experten, verstehen aber keine Ironie. Leider gibt es von diesen Menschen viel zu viele in unserem Berufszweig. Die würden die Ironie noch nicht einmal dann finden, wenn man sie Ihnen auf den Bauch bindet ...
Dirk H schrieb am 12.12.2008:
war was ?
Anonym dahingeschmierte Kommentare in so einem Ton sind mir wirklich die liebsten. Gratis abgreifen, scheiße finden, unverschämt sein, weiter…
Yoram Blumenberg schrieb am 12.12.2008:
Auch wenn der Text von Anfang an "verständlicher" wäre durch die Verwendung von Ironie-Tags, hatte ich kein Problem damit. Anyway, bin da etwas anderer Meinung: oft wird vom Kunden eine Website gewünscht die genau das sein soll: eine Chimäre -- die über kurz oder lang wirklich Alpträume verursachen kann; sowohl beim Entwickler, als auch dann am Ende beim Besucher/Benutzer. Und trotzdem: ich muss mir doch keine Pfanne schmieden wenn ich ein Schnitzel braten will. Daher werde ich auch weiterhin bestehende Lösungen nutzen und mich über neue "Features" freuen -- solange es geht. Wie der Krug zum Brunnen. ;)
Dennis Frank schrieb am 12.12.2008:
Es scheint, als hätten wir diesbezüglich alle eine ähnliche Meinung. Natürlich möchten wie das wollige Saumilchei. Natürlich!
Eigentlich wollte ich nach Lesen des Artikels gleich lostwittern: "Nanu? Versteht wer den neuen Pisto-Artikel?"
Feine Ironie in allen Ehren. In manchen Bereichen bedarf es heute leider ein, zwei Ironiestufen mehr um der traurigen Realität vorauszueilen und sich dann doch schon morgen von dieser wieder einholen zu lassen. Der Suche nach allumfassenden Lösungsansätzen begegnet man nur allzu oft. Argumentiert wird im obigen Artikel - aber leider gänzlich ironiefrei.
Die vielköpfige Chimäre wurde übrigens dann doch noch durch die Zusammenarbeit zweier Spezialisten besiegt: Bellerophon und Pegasos.
Dennis Frank schrieb am 12.12.2008:
Kleines, aber wichtiges Wort im vorherigen Kommentar vergessen:
Argumentiert wird wie im obigen Artikel - aber leider gänzlich ironiefrei.
cortex schrieb am 15.12.2008:
dahingeschmierte Kommentare
ich möchte die kommentar-funktion an dieser stelle nicht für themenfremde diskussionen missbrauchen; eine mail ist unterwegs.
cx
dass man sich kritisch zu einem artikel äussert, heisst übrigens nicht, dass man etwas nicht erfassen konnte. leider fällt es vielen sehr schwer, zwischen inhaltlicher und persönlicher kritik zu unterscheiden.
benem schrieb am 15.12.2008:
Ironie
Versteht der Leser nie.
;)
Ich habe am Anfang auch gezweifelt, aber während dem Lesen ist mir dann doch klar geworden, dass der Text nicht ernst gemeint sein kann.
Recht hast du :)
joon schrieb am 16.12.2008:
Sehr guter Artikel!
Aber auch in unserer Zunft gibt es genug merkbefreite, da könnte das Bild mit dem tauchenden Flugzeug etwas früher auftauchen.
Anonym schrieb am 19.01.2010:
Das Problem ist, je umfangreicher ein Produkt ist, um so schwieriger ist letztendlich die Handhabung. Einfache Lösungen gibt es (fast) nicht mehr.
Langzeiturlaub
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