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Der Sommer ist da und was läge da näher, als den W3C-Validator einen guten Mann sein zu lassen und stattdessen mal wieder ein gutes Buch zur Hand zu nehmen? Das Pisto-Magazin hat bei einigen Kollegen nachgefragt, was sie empfehlen können.
Wahlverwandtschaften
Als Germanistin habe ich gelernt, mich mit Nachttischen zu beschäftigen und was sich auf diesen für Bettlektüre befindet. Dozenten haben die merkwürdige Angewohnheit, Studenten auf eben diesen sehen zu wollen, weil sie Triviales und Unwürdiges vermuten. Dabei hätten die Dozenten ruhig die Leselampe ausknipsen können, denn Studenten haben gar keinen Nachttisch und verschlingen Klassiker wie unwürdige Lektüren.
Eine dieser unwürdigen Lektüren ist Goethes Wahlverwandtschaften und ich überbiete sie noch mit einer gebrauchten Ausgabe. Darin finden sich dann Kapitelzusammenfassungen, winzige, kaum lesbare Anmerkungen am Rand und völlig willkürlich wirkende Anstreichungen. Im Bucheinband sind Fragen nach dem Autor, der Rolle des Erzählers und den Relationen der Figuren notiert. Immer wieder Anmerkungen wie dass Charlotte sauer auf ihre jüngere Rivalin Ottilie oder dass der Architekt verliebt in Ottilie sei. Am Schluss des Buches dann gekritzelte Charakterisierungen der Figuren. So sei Eduard verzogen und selbstverliebt, Charlotte redegewandt und geistreich, Ottilie fleißig und introvertiert.
Man könnte aus den Notizen und Unterstreichungen selbst eine unwürdige Lektüre von Goethes Wahlverwandtschaften extrahieren: eine Dreiecksbeziehung, der Mann verlässt seine Frau, um sich einer Jüngeren zuzuwenden. Trivial könnte man meinen. Aber Goethe baut daraus eine Auseinandersetzung um Alter, Sesshaftigkeit und Bürgerlichkeit mit Hilfe seiner philosophischen und wissenschaftlichen Steckenpferde Optik, Kunst und Literatur. Es holpert kräftig in diesem Text, alles scheint übertrieben, sehr auf Biegen und Brechen argumentativ gestrickt, aber wie so oft bei Klassikern muss man sie quer und öfter lesen. Sich immer wieder auf das Triviale und Unwürdige einlassen: Nichts ist bedeutender als die Dazwischenkunft eines Dritten. Dieser wäre dann - der Leser.

- Johann Wolfgang von Goethe: Die Wahlverwandschaften. Ein Roman.
- Reclam; 1986
Sylvia Egger arbeitet als Senior Webproducerin und Autorin in Köln und setzt sich aktiv für die Barrierefreiheit von modernen Webseiten ein. Dafür steht besonders ihr Weblog sprungmarker. Im Herbst erscheint ihr Buch STILL DIALING ALICE im Ritterverlag Klagenfurt.
Schrumpft die Bundesrepublik
Haben Sie sich nicht auch mal gewünscht ein Bundesland aus Deutschland ausschließen zu können? Für Pfälzer, wie ich es einer bin, ist klar: Das Saarland braucht kein Mensch, das darf Frankreich gerne wieder zurückhaben. Das Buch »Schrumpft die Bundesrepublik« von Michael Rudolf und Jürgen Roth unterstützt die These, dass viele Bundesländer unnötig sind und stellt deren abartige Angewohnheiten vor: »Sie haben Schädel wie mutierte Melonen. Ihre Beine gehorchen der weltweit anerkannten Schwerkraft nur im Winkel von 43 Prozent. Bärte mit nach den ästhetischen Prinzipien des Bergbaubarock eingeflochtenen Tabakfasern sind Vorschrift. Einen Büstenhalter muß tragen, wer über einen Nachnamen verfügt. So sind sie, die Saarländer.«, schreibt Roth, doch natürlich bekommen auch alle anderen Länder ihr Fett weg.
»Das bundesdeutsche Nationalgetränk Bier und seine inneren Zusammenhänge sind dem Rheinländer unbekannt« und »Berlin unterscheidet sich von Brandenburg nur in der Besatzdichte an ›Ick gloob’s ja wohl nich-Kreativen.«
Neben den deftigen Auseinandersetzungen mit der Außensicht verschiedener Bevölkerungsgruppen komplettiert das kurze Büchlein eine Abhandlung über »Verfassungsrechtliche Erwägungen zu Fragen des Staatsausschusses«, einen »Antrag auf Ausschluß eines oder mehrerer Bundesland/-länder aus der Bundesrepublik Deutschland« und ein Kapitel mit Leserbriefen von (teils) empörten Lesern.
Das Buch, das exklusiv im Zweitausendundeins-Verlag herausgegeben wird, ist hübsch gestaltet (der Umschlag mit Prägedruck) und beinhaltet Illustrationen von F.W. Bernstein.

- Michael Rudolf, Jürgen Roth, FW Bernstein: Schrumpft die Bundesrepublik
- Zweitausendeins; 2009
Eric Eggert ist freier Webentwickler und liest am liebsten online, kann sich aber von Zeit zu Zeit für das eine oder andere Buch erwärmen. Er bloggt (nicht über Bücher, sondern über Webstandards) unter yatil.de.
Das wundersame Leben des Edgar Mint
»Dürfte ich nur eine einzige Begebenheit aus meinem Leben erzählen, wählte ich diese: Ich war sieben Jahre alt, als der Postbote meinen Kopf überfuhr.«
Es gibt Bücher, die einen schon nach den ersten Sätzen völlig vergessen lassen, dass man mitten in einem Einkaufszentrum steht und auf eine Freundin wartet, die »nur mal schnell« zu H&M wollte. Und die es einen schade finden lassen, dass sie dreißig Seiten später schon wieder zurück ist. Brady Udalls »Das wundersame Leben des Edgar Mint« (bei der DVA veröffentlicht als »Der Bierdosenbaum«) gehört zu diesen seltenen Büchern, die man nicht mehr weglegen möchte. Die man anfangs verschlingt, dann aber umso langsamer liest, je näher man sich der letzten Seite nähert. Weil einem die Protagonisten mittlerweile so ans Herz gewachsen sind, dass man sie nicht mehr missen möchte.
Der Roman erzählt die Geschichte von Edgar, einem Jungen aus einem Indianerreservat, dessen Leidensweg mit dem Postauto-Unfall erst beginnt. Edgar verliert aber trotz aller Schicksalsschläge und merkwürdiger Wendungen sein Ziel nie aus den Augen, beschreibt mit seiner antiken Hermes Jubilee-Schreibmaschine Blatt um Blatt – und natürlich gibt es ein Happy End. Das ganze wird mit so viel Humor und Wärme erzählt, dass es nur so eine Art hat. Es gibt nur ein Problem: Nach diesem Buch will man mehr von Brady Udall lesen. Viel mehr. Aber außer einer älteren Kurzgeschichtensammlung (»Laß die Hunde los«) ist da nichts mehr. Bleibt zu hoffen, dass der seit 2001 angekündigte Roman »Der einsame Polygamist« (was für ein Titel!) irgendwann doch noch mal erscheint.

- Brady Udall: Das wundersame Leben des Edgar Mint
- Goldmann Verlag; 2004
Michael Preidel ist freier Art-Direktor aus Potsdam und betreibt das Weblog esse est percipi.
Der Samurai von Savannah
Hiro, Matrose auf einem japanischen Frachter, hat genug. Als Sohn einer japanischer Mutter und eines amerikanischen Vaters unter eher trüben Umständen im Nachkriegs-Japan aufgewachsen, zieht es ihn in das Land seines Vaters - die USA, schillerndes gelobtes Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten. Als sein Frachter die amerikanische Küste passiert, springt Hiro kurzentschlossen in den Ozean und strandet, mit ein paar Dollar, dem Foto seines Vaters und dem Samurai-Buch des durchgeknallten japanischen Autors Mishima Yukio in der Tasche, an den Gestaden einer kleinen Insel. Diese wird von einer Schriftsteller-Kommune und einige Rednecks bewohnt und es passiert dort nicht viel. Bis Hiro auftaucht...
Der »Samurai von Savannah« ist ein älterer Roman des amerikanischen Star-Schriftstellers T.C. Boyle, der das beliebte Thema »der Fremde kommt« verarbeitet. Zwei Erzählstränge, die Erlebnisse des unerwünschten Fremden und als illegalen Einwanderer gejagten Hiro und das merkürdige Treiben der hippiesken Schriftsteller-Kommune auf der Insel, werden langsam aber sicher miteinander verwoben und führen zu grotesken und urkomischen Situationen, die Komik hin oder her, auf ein dramatisches Finale zulaufen. Das Wahrnehmen des Fremden als »Gefahr« für die wohlgeordnete Gesellschaft, und das auch in sich »aufgeklärt« gebenden Zirkeln wie der Schriftstellerkommune, ist als Thema natürlich uralt und viel gelesen. Selten kommt es aber so spannend und gleichzeitig urkomisch daher wie in:
T.C. Boyle »Der Samurai von Savannah« (original »East is East« aus dem Jahre 1990), u.a. als Taschenbuch für 9,95 EUR erhältlich. Eine unterhaltsame Lektüre, bei der das Lachen gerne mal stecken bleibt, wenn der Nachdenk-Prozess ob des Gelesenen einsetzt.

- T.C. Boyle: Der Samurai von Savannah
- Deutscher Taschenbuch Verlag; 1995
Ralf Graf, Web-Entwickler, -Designer und -Autor aus Karlsruhe schreibt das Weblog uninformation.org.
Die geheime Geschichte
Selten hat ein Erstlingswerk so gerockt, finde ich. Richard Papen,dem Hauptdarsteller, schlackern am Ende gehörig die Ohren, wenn sein gesamtes Leben am Leser vorbeigerauscht ist. Ein ganzes Leben, obwohl es doch eigentlich nur die wenigen Jahre sind, die er als Student am Hampden College in Vermont verbringt.
Dort wird er Schüler des geheimnisvollen Professors Julian Morrow, der seine kleine Griechisch-Klasse isoliert vom Rest des Campus’ unterrichtet. Zur Klasse gehören der intellektuelle Henry, die hübschen Zwillinge Camilla und Charles, der bohemische Francis und der hedonistische Edmund, genannt Bunny. Sie alle umgibt eine besondere Aura, von der Richard so fasziniert ist, dass er bald seine gesamte Freizeit mit ihnen verbringt. Was dann folgt, ist eine moderne griechische Tragödie. Nietzsche. Plato. Jemand muss sterben, andere stehen vor der Herausforderung, damit umgehen zu müssen. Moral, Schuld und Sühne. Das letzte, was man an dieser Stelle tun sollte, ist, den Artikel über das Buch bei der Wikipedia zu lesen. Zumindest nicht den Block »Inhalt«.
Die geheime Geschichte erinnert mich manchmal an »Club der toten Dichter« – visionärer Professor fordert seine Schüler heraus – und fühlt sich ähnlich an wie »Was nützt die Liebe in Gedanken«, wenn es um Zwischenmenschliches und philosophisch angereicherte Trinkgelage in Sommerhäusern geht. Wollte man das Buch filmisch umsetzen, empfände ich es als fürchterlich schwierig, den passenden Soundtrack zu finden. Authentisch müsste er sein. Dynamisch, laut und leise. Dramatisch. Nicht abgedroschen. Stilistisch vielfältig. Beeindruckend. Er wäre auf jeden Fall ein fester Bestandteil der Geschichte.
Irre, ein solches Buch als Erstlingswerk schreiben zu können.
»Ich nehme an, dass ich zu einer Zeit meines Lebens beliebig viele Geschichten zu erzählen hatte, aber nun gibt es keine andere mehr. Dies ist die einzige Geschichte, die ich jemals erzählen könnte.« – Richard Papen (sinngemäß übersetzt)

- Donna Tartt: Die geheime Geschichte
- Goldmann Verlag; 2003
Dirk Schürjohann macht Kaffee und Kommunikation in Berlin. Er war nicht am Hampden College in Vermont und hat noch kein Buch geschrieben.
Show me how
»Show Me How« ist ein Buch für alle Lebenslagen. Es enthält 500 liebevoll illustrierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen zu den verschiedensten Themen, angefangen bei ganz einfachen Dingen des Alltags, wie der Untertitel »500 things you should know« schon vermuten lässt. So erfährt der Leser zum Beispiel, wie ein Schlips gebunden wird, Tapeten nahtlos an die Wand geklebt werden oder wie eine Ananas geschnitten wird. »Aha, so geht das«, denkt man nahezu auf jeder zweiten Seite. Das eigentlich Interessante ist aber, dass sich neben diesen eher ordinären Dingen eine Vielzahl exotischer Anleitungen finden, die trotzdem mit der gleichen Ernsthaftigkeit präsentiert werden: So lässt sich zum Beispiel nachschlagen, wie man lehrbuchmäßig auf ein Kamel steigt, aus Treibsand entkommt oder einen Kimono anzieht. Angst vor Hai-Angriffen gehören ebenfalls der Vergangenheit an, da Anleitung 452 genau erklärt, wie man sich in dieser Situation zu verhalten hat. Auch die Beziehung profitiert von diesem Buch, so erfahren Päärchen, wie sie in Löffelchen-Stellung schlafen können, ohne dass es unbequem ist oder wie man dem Partner eine mustergültige Fußmassage verabreicht. Es ist ein Buch, bei dem man ständig über die einfachsten Dinge staunt, z. B. wenn der Unterschied zwischen Café Latte und Latte Macchiato erklärt wird oder dass es ungefähr sechs verschiedene Arten gibt, sich die Schuhe zu binden. Trotz der manchmal etwas oberflächlichen Abhandlung der Themen ist »Show Me How« ein Buch, dass man immer wieder gerne aus dem Regal holt. Sei es zum selbst durchblättern oder um es zufällig auf dem Tisch liegen zu haben, wenn mal wieder Designer-Freunde zu Besuch kommen.
Das Buch ist inzwischen auch auf deutsch erschienen unter dem Titel »So geht das!«

- Lauren Smith, Derek Fagerstrom: Show Me How
- Collins Design; 2008
Maurice Kühlborn ist freiberuflicher Webdesigner und wohnt in Leipzig.
Gottes Segen und Rot Front
Ehrlich gesagt: In fremden Briefen herumzuschnüffeln hat schon seinen Reiz, mag es auch immer noch durch ein paar karge Reste von staatlicherseits zugestandener Privatsphäre gesellschaftlich verpönt sein. Und bei Kapazundern [1] vom Kaliber Harry Rowohlts legt sich zusätzlich noch eine dicke Lage Sprachgenuss über die Sättigung banaler Neugier. Ein Archiv von 30.000 Seiten Korrespondenz aus knapp fünfzig Jahren hat Anna Mikula damals, 2004, zu »Der Kampf geht weiter!« kondensiert.
»Gottes Segen und Rot Front« nun also, der zweite Band von nicht weggeschmissenem Briefverkehr des Übersetzers und Nebenerwerbsschauspielers, setzt fort mit dem Briefverkehr aus den Jahren 2005 bis 2009.
Geschrieben wird an Verleger, Politiker, Fernsehmacher und Veranstalter, an Fans und Bittsteller. Rowohlt bedankt sich bei Gregor Gysi für »die Anwesenheit, die bei Ihnen gleichzeitig Präsenz bedeutet«, verweigert Klaus Wowereit den «Ausbruch in prägnant Antifaschistisches am Brandenburger Tor«, weil er sich in erster Linie als Hamburger fühlt und offeriert dem irischen Botschafter ein leicht hinterlistiges Kompliment (»You’ve got a fine fist for writing«, original von Michael O’Nolan). Leere Floskel gibts keine einzige auf den gut 260 Seiten, dafür sieht man seitenweise buchstäblich den Schalk hinter den whiskey-glitzernden Augen sitzen.
Ein wenig dünner ist die Auswahl der letzten fünf Jahre naturgemäß doch. Wer noch gar nichts von und über Harry Rowohlt im Bücherschrank stehen hat, sollte darum mit dem ersten Briefband »Der Kampf geht weiter!« beginnen und als Hauptgang das extralange Interview in Buchform »In Schlucken-zwei-Spechte« dazulegen.
»Gottes Segen« ist ein feiner Nachschlag.
[1] siehe http://www.ostarrichi.org/wort-998-at-Kapazunder.html

- Harry Rowohlt: Gottes Segen und Rot Front
- Kein & Aber; 2009
Robert Wetzlmayr ist Allesleser, Webprogrammierer und Mitglied im Entwicklungsteam von Textpattern CMS.
Durch den Schnee – Erzählungen aus Kolyma
Die Erzählungen »Durch den Schnee« und »Linkes Ufer« behandeln keine Naturwunder der sibirischen Tundra. Sie behandeln Qualen, Sterben und Tod von Menschen im Gulag der stalinistischen Sowjetunion.
Als Dissident hatte der Schriftsteller Warlam Schalamow (1907-1982) insgesamt 17 Jahre in den Arbeitslagern verbracht, 14 davon in der nordostsibirischen Region Kolyma.
Schalamows Erzählungen führen den Leser in eine staatlich organisierte Vernichtung von Menschen, die in den Arbeitslagern durch Kälte, Zwangsarbeit und Hunger systematisch betrieben wurde. Bereits wenige Wochen harte körperliche Arbeit bei bis zu 60 Grad unter Null und Unterernährung reichten aus, um Gefangenen physisch, seelisch und moralisch zu zerstören. Schnell waren viele Gefangene »auf Grund gelaufen« – der Lagerbegriff für einen Zustand zwischen Leben und Tod.
Mit dem körperlichen Verfall geht der Verlust aller Werte einher:
»Wir hatten keinen Stolz, keine Eigenliebe, keinen Ehrgeiz, und Eifersucht und Leidenschaft erschienen uns als Begriffe von einem anderen Stern und obendrein als Dummheiten. [...] Eine große Gleichgültigkeit beherrschte uns.«
Emotionslos ist auch der dokumentarische Schreibstil des Autors. In Erinnerung bleiben Details als Dokumente einer menschlichen Hölle: Schmerzhaft eiternde Füße, von deren Fleisch sich die Haut löst, weil sie – nur mit Lumpen umwickelt – in eiskalten Gummigaloschen stecken; Diebstahl, Versklavung und Ermordung durch Kriminelle, die als ungefährlicher für das System und dadurch als wertvoller gelten. Gut ernährte und vor der Kälte besser geschützte Pferde, die dennoch schneller sterben als die Menschen. Ausgehungerte Gefangene, die mit dem entlaufenen Schäferhundwelpen spielen, bevor sie ihm den Schädel zertrümmern, das Fell abziehen und ihn kochen, um an die Fleischmahlzeit zu kommen. Oder der gelieferte US-amerikanische Traktor aus dem »Lend-Lease-Act«, der umgehend für die Verlegung von Massengräbern der aus Haut und Knochen bestehenden und im Permafrost konservierten Toten Verwendung findet.
Fazit: »Durch den Schnee« und »Linkes Ufer« kann ich jedem freien und wachen Geist wärmstens empfehlen. Es ist allerdings keine Strand- oder Freibadlektüre und nicht unbedingt das richtige für sensible Rilke-Freunde.

- Warlam Schalamow: Durch den Schnee: Erzählungen aus Kolyma
- Matthes & Seitz Berlin; 2008
Nils Pooker arbeitete selbständig im Kunstbereich und ist seit 2001 freier Webdesigner. Er schreibt über Kundenkommunikation, Wahrnehmung und Webdesign.
Der Autor
Die Pisto-Redaktion reist der Sonne hinterher. Die Urlaubsvertretung übernehmen dankenswerterweise acht - nicht ganz unbekannte - Webworker.
Titelbild: »Row of flip flops« von hatman12 via istockphoto.com
Kommentare
Dirk schrieb am 03.08.2009:
Danke für die vielen Anregungen! Ich werde »Show Me How« lesen müssen.
Sarah-Jobbörse schrieb am 07.10.2009:
Also mein favorit wäre jetzt rein von der Beschreibung "Schrumpft die Bundesrepublik". Klingt nach einer sehr humorvollen Lektüre über die Deutschen.
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