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Magazin über Web und die Welt

Lob der Einfachheit

Reduziert aufs Wesentliche von Nicolai Schwarz

Titelbild: Reduziert aufs Wesentliche

Manchmal genügen schon wenige Sätze, um alles Wesentliche zu sagen. Und manchmal passen diese bequem auf eine einzelne Webseite. Ein Plädoyer für ein unterschätztes Format: den One-Pager.

Kleine oder mitunter auch mittlere Unternehmen kommen bei ihren Webauftritten oft mit wenigen Seiten aus. Sechs, sieben, acht Unterseiten, und die Sache ist fertig. Die Startseite ist auch hübsch anzusehen und gut gefüllt. Bei näherem Hinsehen kommt es aber immer wieder vor, dass für die Unterseiten nicht genügend Inhalte vorhanden sind.

Das sieht dann etwas kümmerlich aus, wenn auf Unterseiten mit zwei Sätzen schon alles gesagt ist. Oder aber es kommt noch schlimmer und die Leere wird durch drei, vier weitere Absätze ergänzt, die rein gar nichts Neues beizutragen haben, sondern lediglich den Inhalt optisch aufblähen sollen.

Dabei lassen sich manche Dienstleistungen oder Angebote wirklich schön knapp auf den Punkt bringen. Warum belässt man es nicht einfach bei ein, zwei Absätzen? Noch besser: Warum müssen die vielen Unterseiten denn sein, wenn sich für die Inhalte keine eigenen Seiten lohnen?

 lomotek.com

lomotek.com zeigt, dass sich ein Unternehmen auch auf einer einzelnen Seite vorstellen kann.

Ideal für Freelancer

Ich warte nun seit etwa 2006 auf einen kleinen Siegeszug von One-Pagern. Eine einzelne Seite, auf der alles gesagt wird. Mehr nicht.

Keineswegs in dem Umfang, dass nun jedes zehnte kleine Unternehmen mit einer schicken einzelnen Seite daherkommt. Aber zumindest in kleinen Dosen, so dass ich ab und zu mal über eine solche Seite stolpere. Und zwar ohne direkt danach zu suchen - Design Meltdown oder One Page Love etwa haben hübsche Sammlungen zusammengetragen.

 frankgiacobbe.com

Auch ein One-Pager: Das Portfolio von Frank Giacobbe

One-Pager sind das ideale Format für Webseiten, die mit wenig Inhalten auskommen. Das Format drängt sich für viele Freelancer geradezu auf. Denn auf deren Seiten muss oft nicht mehr stehen als deren Leistungen, ein Portfolio mit einigen Referenzen und eine Kontaktmöglichkeit. Das passt problemlos auf eine Seite.

Und das haben viele Webdesigner für sich auch bereits erkannt. Deshalb sind viele One-Pager gerade in dieser Berufsgruppe zu finden.

Der Bauch will mehr

Kunden bevorzugen meist mehrere Unterseiten ohne ein richtiges Argument nennen zu können. Aber es ist immer zu spüren: Eine einzelne Seite sehe nach zu wenig aus. Man sei ja eine richtige Firma, und eine richtige Firma habe nunmal eine Webseite mit einigen Unterseiten.

Natürlich leitet sich die Anzahl der Unterseiten nicht aus der Größe des Unternehmens her, sondern aus der Menge an Inhalten, die es sinnvollerweise auf der Webseite zu verteilen gibt. Manche Kunden lassen sich davon jedoch schwer überzeugen und wollen aus dem Bauch heraus eine »richtige« Webseite - mit Unterseiten.

Eine einzelne Spielwiese

Dabei bietet ein One-Pager einige Vorteile: Die gesamte kreative Energie kann konzentriert auf eine einzelne Seite fließen. Der Webworker muss sich keine Gedanken darüber machen, welche Inhalte auf den Unterseiten in welcher Spalte stehen. Er kann das Grunddesign hübscher anlegen, weil er besser abschätzen kann, wieviel Inhalte zu verteilen sind. Das Ganze lässt sich immer noch mit einer Navigation ausstatten. Zusätzlich kommen JavaScript, Flash oder Videos ins Spiel, die die Seite ein wenig »aufregender« machen.

 vineyardhavenretreat.com

Der Vineyard Haven Retreat fasst alle Informationen sauber geordnet auf einer Seite zusammen. Hier würde es sich nicht lohnen, diese Informationen auf fünf Unterseiten zu verteilen.

Textlich ist es hier kein Problem, wenn ein Bereich dreimal so viel Platz einnimmt wie ein anderer Bereich. Verschieden lange Texte auf zwei Unterseiten zu verteilen, ergibt hingegen bereits ein Ungleichgewicht.

Außerdem neigen die meisten Leute automatisch dazu, Texte noch einmal zu kürzen, wenn diese alle zusammen auf einer einzelnen Seite stehen. Und das kommt vielen Texten zugute.

Der Inhalt bestimmt das Format

Die Inhalte lassen sich noch einmal optisch reduzieren, indem einige weiterführende Texte erst durch JavaScript ins Spiel kommen. Sei es beispielweise durch Reiter, die sich durchblättern lassen, oder durch Pop-Ups.

 thefirsttwenty.com

The First Twenty, eine Non-Profit-Webseite von Feuerwehrleuten für Feuerwehrleute, nutzt Pop-Ups für weiterführende Informationen.

One-Pager deuten nicht per se auf ein kleines Unternehmen. One-Pager zeugen von einer geschickten Informationsarchitektur.

Wenn alle Inhalte eines Unternehmens oder eines Produktes übersichtlich auf eine Seite passen, sollten sie auch auf einer Seite präsentiert werden. Oder anders herum: Wer Mühe hat, seine Unterseiten mit relevanten Informationen zu füttern, braucht vermutlich keine Unterseiten.

Der Autor

 Nicolai SchwarzNicolai Schwarz will seine Webseite textformer mediendesign auch zum One-Pager umbauen, nur wird das in diesem Jahr wohl nichts mehr. Seine Pisto-Kollegen Andreas Dölling und Dirk Hesse sind da weiter; sie kommen tatsächlich mit einer Seite aus.

Titelbild: »Reduziert« von Nicolai Schwarz

29.09.20083 Kommentare

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Kommentare

Schönes Plädoyer für die Einseiter.

Ich denke selbst darüber nach, einen Onepager zu bauen, um dort meine nebenberuflichen Leistungen anzubieten. Interessenten kann man dann auf dieses fokussierte Angebot leiten. Für diesen (meinen) Zweck würde eine Seite ausreichen.

Guter Artikel. Leider sollte man bei Onepagern auch besonders darauf achten, dass die Navigation funktioniert. Mit Opera funktioniert das bei Lomotek leider nicht.

Übrigens gefällt mir das Design von Pisto sehr gut!

Noch eine gute Onepager Seite:

http://www.frojd.se/

Werbe-Kommentare werden wir übrigens löschen. Im Zweifel nehmen wir zumindest den Link zur beworbenen Homepage raus.

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