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Flogging a Dead Horse von Andreas Dölling

Titelbild: Flogging a Dead Horse

Eigentlich ist die Schlacht bereits verloren – die Schlacht um das Binnenleerzeichen. Weil jenes aber gern mit dem Verweis auf die ach so einfache englische Sprache verteidigt wird, wahre ich die »stiff upper lip« und orientiere mich an dem Ausspruch: »The English never know when they are beaten.«

Worum es geht? Es geht um das im geschriebenen Deutsch mittlerweile zum akzeptierten Quasi-Standard gewordene Zusammenfügen von Wörtern unter Verwendung von Binnenleerzeichen, also etwa das Schreiben von »Champions League Sieger« statt »Champions-League-Sieger« oder »Mode Zeitschrift« statt »Modezeitschrift«.

Das ist nichts wirklich Schlimmes, nein. Die Welt wird daran nicht untergehen, und Hunger, Krieg und Krankheit sind ernstere Probleme als das korrekte »Koppeln« zusammengesetzter Wörter (= Komposita). Auf der anderen Seite halte ich das Thema wiederum für mindestens ebenso wichtig wie die Diskussionen (mit meterlangen Kommentarschlachten) über »HTML5 vs. XHTML« oder darüber, ob Layout-Tabellen böse sind oder nicht.

Die Kunst der gepflegten Debatte

Ein Problem ist – neben einem sicherlich nicht übermäßigen allgemeinen Interesse an Sprache – die anfangs wenig geschickte und taktvolle Diskussionsweise der Gegner des Binnenleerzeichens. Das klang oft nach Kleinkrämerei und nach Lehrmeisterei. Vor allem aber war es nicht gerade weise, das Wort »Deppenleerzeichen« zu verwenden, um andere Menschen für das Problem zu interessieren und sie zu überzeugen. Ich muss zugeben, dass ich selbst diesen Begriff bis vor einigen Monaten noch voller Überzeugung im Munde führte und unter anderem in einem Gastartikel für Jens Meiert (»Vom Texten und Zutexten«) verwendete.

Irgendwann aber fand ich mich in der Situation, dass ich Menschen, die ich persönlich mag und die ich fachlich schätze, erklären musste, dass sie fehlerhaft schreiben. Und jedem Menschen mit intaktem Sozialverhalten sollte es widerstreben, einem geschätzten Gegenüber zu sagen: »Hör mal, du verwendest ja lauter Deppenleerzeichen!« …

Auch in der Diskussion zum entsprechenden Artikel bei Wikipedia wurde die Taktlosigkeit und Plumpheit des Schlagworts »Deppenleerzeichen« angesprochen und stattdessen das neutrale »Binnenleerzeichen« (in Anlehnung an die Binnenmajuskel) vorgeschlagen. Ich fand den Vorschlag gut und kann nun diskutieren, ohne andere vor den Kopf zu stoßen.

Richtig und Falsch

»Sprache entwickelt sich nun mal«, entgegnen mir viele Leute, wenn ich mal wieder über das Binnenleerzeichen klage und mich ausweine. Da haben sie natürlich recht. Rechtschreib- und Grammatikregeln sind von Menschen gemacht und können auch von Menschen geändert werden. Das Binnenleerzeichen ist dafür ein gutes Beispiel, denn es war früher einmal deutscher Sprachstandard.

Es gibt Leute, die finden die deutsche Groß- und Kleinschreibung oder das »ß« doof. Ich mag beides. Aber ich würde mich durchaus damit abfinden, wenn wir uns darauf einigten, auf beides zu verzichten.

Worum es mir geht, ist, dass wir darüber nachdenken, warum wir etwas ändern wollen und wie wir es dann künftig halten wollen. Und darum, dass wir dann auch konsequent sind.

Bei der Handhabung zusammengesetzter Wörter vermisse ich beides. Der Siegeszug des Binnenleerzeichens verdankt sich ja keiner breiten Debatte über die aktuellen Regeln zu Nominalkomposita in der deutschen Sprache.

Und wer hat’s gemacht?

Ich wage sogar zu behaupten, dass eigentlich niemand ein Problem mit den Regeln zur Zusammensetzung von Wörtern hatte. Klar, die Sprecher anderer Sprachen, etwa englische Native Speaker, wie unter anderen Mark Twain, haben immer wieder gerne unsere mitunter langen Kettenwörter bespöttelt – aber hey: damit sind wir doch gut klargekommen, zumal etwa Twains »Generalstaatsverordnetenversammlungen« nicht gerade zum täglichen Wortschatz gehören und sich zudem vermeiden lassen (s.u.).

Wer also hat uns die überflüssigen Leerzeichen beschert? Waren es die sogenannten bildungsfernen Schichten? Die Boulevardpresse? Das Trash-Fernsehen?

Nein, meiner Wahrnehmung nach wurde das Binnenleerzeichen uns von den Leuten aufs Auge gedrückt, die es eigentlich besser wissen müssten und sollten: von Textern, von Werbern und Marketing-Leuten, von Designern und Projektleitern. Hinzu kommen dann noch die Leute, die meinen, dass ihre Firma dem Ruin preisgegeben ist, wenn irgendjemand den Namen ihrer Firma innerhalb eines Kompositums verwendet und korrekt »Mustermann-Produkt« schreibt. Nein, das geht natürlich nicht, denn der Firmenname ist »unantastbar«! – Ergo: man schreibt »Mustermann Produkte« (was mittlerweile sogar vom Duden akzeptiert und selbst verwendet wird):

So macht es der Duden

Selbst der Duden schreibt »Duden Korrektor«
(www.duden.de am 27.8.09)

Es hat sich also nicht um eine demokratische Entwicklung gehandelt (wie etwa bei der Verdrängung des Genitivs aus unserer Sprache, mit der ich in den meisten Fällen durchaus leben kann), sondern um eine ganz willkürliche Einflussnahme einiger weniger Gruppen, die aber die Medien prägen und damit natürlich über kurz oder lang das Empfinden des berühmten Mannes draußen auf der Straße für das, was richtig und was falsch ist. Wenn Lieschen Müller mittlerweile selbst in der ARD, bei arte und in großen Tageszeitungen das Binnenleerzeichen vorfindet, so wird sie natürlich annehmen, dass das jetzt eben so sei, und es übernehmen.

Und genau das ist passiert. Leute, die noch vor sechs, sieben Jahren zusammengesetzte Wörter richtig geschrieben haben, benutzen jetzt ganz selbstverständlich Binnenleerzeichen und verstehen oft gar nicht, wovon ich überhaupt rede, wenn ich das thematisiere.
Ein guter Beleg für meine These sind übrigens meine Eltern. Beide sind keine Akademiker – aber im Gegensatz zu so vielen Textern, »Project Managern«, Designern, »CEOs« oder »Marketing Consultants” schreiben sie noch korrekt!
Q.e.d.

Konsequent – irgendwie, manchmal jedenfalls …

Das Zweite, was ich vermisse, ist die Konsequenz bei der Verwendung des Binnenleerzeichens. Man muss gar nicht lange suchen, um Texte zu finden, in denen die Varianten bei der Schreibung zusammengesetzter Wörter bunt und ohne jede erkennbare Regel gemischt werden, oft sogar ein und derselbe Begriff in unterschiedlicher Schreibweise auftaucht.

So findet sich in der Produktbeschreibung eines Online-Shop-Systems unter anderem dieser Abschnitt:

Übersichtlicheres und Windows-ähnliches Backend
Das Backend ähnelt einer Desktop Applikation und ist somit ohne Hürden einfach zu bedienen. Wie von einem Desktop Programm gewöhnt unterstützt unser Browser-Backend funktionen wie Drag&Drop, Sortierung von Tabellen etc.

Warum wird hier Browser-Backend (korrekt) zusammengeschrieben und »Desktop Programm« nicht?

Weil die Leute alle total doof sind? Nein.

Ich werte dieses Durcheinander, auf das man allenthalben trifft, als Indiz für allgemeine Verwirrung und Unsicherheit. Es wissen einfach die meisten Leute nicht mehr, wie man nun zusammengesetzte Wörter schreibt. Manche haben irgendwie mitbekommen, dass die Rechtschreibreform da etwas geändert hat; manchen kommt es komisch vor, englische Wörter an deutsche zu kleben; andere haben es eben bei den großen Vorbildern so gesehen; und vielen ist es vielleicht einfach zu anstrengend oder zu zeitraubend, sich kundig zu machen.

Und auf die automatischen Rechtschreibkorrekturen ist da auch kein Verlass. Im Gegenteil: erkennt die Korrektur ein zusammengesetztes Wort nicht (weil sie es nicht in der Datenbank hat), markiert sie es als falsch. Oft wird das Wort dann »richtig«, wenn man es einfach per Leerzeichen zerstückelt.

Aber wie bereits gesagt: meinetwegen soll da jeder nach seiner Façon glücklich werden, aber ich bin für Konsequenz. Dafür, dass man sich bewusst für eine Schreibweise entscheidet.

Ich kenne Leute, die schreiben alles klein – aber die ziehen das dann auch durch. Das ist in Ordnung für mich. Ich kenne Leute, die ein »ss« dem guten alten »ß« vorziehen, auch wenn die Regeln es anders wollen. Ebenfalls ok, denn sie tun es immerhin konsequent.

Daher mein Plädoyer: einfach mal innehalten, nachdenken und eine Entscheidung fällen. Und sich dabei am besten solche Monstrositäten wie den folgenden – der Doku zu dem bereits erwähnten Shop-System entnommenen – Satz vor Augen halten:

Wenn dies auf nein gestellt wird, legt das System Plugin Cache files im plugin_cache Ordner an.

So etwas will doch keiner lesen, oder? Ist in diesem Fall aber konsequent!

Und weil ich weiß, dass mir nun so manch ein Verfechter des Binnenleerzeichens mit dem letzten und unwiderlegbaren Argument den K.O. verpassen will, dass lange Komposita im Schriftbild schlecht aussehen, schlecht lesbar seien und in Websites zu unerwünschten Umbrüchen und unschönen Lücken im Text führen, kommt hier für diejenigen noch …

Ein Tipp

Mark Twain hat sich, wie bereits erwähnt, gerne über die ellenlangen spaltensprengenden Komposita in der deutschen Sprache lustig gemacht und damit nicht ganz unrecht. Auf jeden Fall hat er seine Beobachtungen sehr pointiert und unterhaltsam geschildert.

Was er dabei unterschlagen hat und was heute auch viele deutsche Muttersprachler vergessen zu haben scheinen, ist, dass die deutsche Sprache oft viele verschiedene Möglichkeiten bietet, etwas auszudrücken. Und so kann man eben sehr oft auch ein aus drei oder mehr Wörtern zusammengesetztes Ungetüm vermeiden und auf diese Weise nicht nur typografische Schwierigkeiten und das Thema »Binnenleerzeichen« umgehen, sondern oft auch besser lesbare Texte schreiben.

Hier ein paar Beispiele:

  • Mediengestalter-Ausbildung oder Ausbildung zum Mediengestalter
  • Champions-League-Sieger oder Sieger der Champions League oder die Mannschaft, die letztes Jahr die Champions League gewann
  • Pro7-Action-Filmnacht oder Nacht der Action-Filme bei Pro7
  • Content-Management-System oder »Content Management«-System (meine bevorzugte Schreibweise für englisch-deutsche Komposita und Komposita mit Eigennamen)
  • wir sind tätig im Bereich Web-Anwendungsentwicklung oder wir entwickeln Web-Anwendungen
  • Michael-Stich-Stifung oder »Michael Stich«-Stiftung oder Stiftung von Michael Stich oder Stiftung Michael Stich
  • ich bin Suchmaschinen-Optimierungsexperte (ist ohnehin Quatsch, weil »SEO«-Experten ja nicht die Suchmaschinen optimieren …) oder ich optimiere Websites für Suchmaschinen oder ich sorge dafür, dass Websites von Suchmaschinen besser bewertet werden
  • Multi-Player-Browser-Game oder ein Browser-Spiel für mehrere Spieler
  • die Mustermann-AG-Website oder die Website der Mustermann AG
  • wir legen Wert auf Webstandards-Kompatibilität oder wir richten uns nach den Webstandards

So kann man sich nicht immer helfen, aber doch ziemlich oft. Und es kann dann schon mal passieren, dass sich etwa die Dokumentation zu einem Projekt oder die firmeninterne Bekanntmachung gar nicht mehr ganz so dröge und bürokratisch und holprig anhören wie sonst.

Der Autor

 Andreas DöllingAndreas Dölling mag: Bindestriche, das „ß“ und Fußball. Er mag nicht: Krieg, Morgenstund und Angeboteschreiben.

Titelbild: »Deppenboard« von RADAU - Gestaltung!

23.09.200916 Kommentare

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Kommentare

Das Schlecht-Lesbarkeits-Argument ist eigentlich keines: Durch optionale Koppelungs-Striche kann jedes sehr lange Wort nach Gutdünken lesbarer gemacht werden. Es wird einem ziemlich viel Freiheit gelassen, lange Wörter semantisch zu gliedern, so dass es exzellent lesbar ist: lesbarer als mit Leerzeichen und natürlich lesbarer als ganz ohne Trennungen.

Die Gründe für das vermehrte Auftauchen des Binnenleerzeichen hast Du gut herausgearbeitet: Übertriebene Markenstrenge und Englisch-Deutsch-Mischmasch sind tatsächlich für das Dilemma verantwortlich.

Ganz abgesehen davon, dass es latürnich meiner eigenen mehr als latenten Mischung aus Legasthenie und Faulheit sehr entgegen kommt, halte ich es gerne mit den Worten eines meiner eheml. Germanistik-Professoren: "Solange es für mich einfacher ist, Deine Fehler zu überlesen, als für Dich, sie zu korrigieren, ist alles in bester Ordnung."

Noch etwas zur Konsequenz... sag mal folgende Nomen laut: "Vater, Fahrrad, Photo, Vogelfutter". Das ist alles andere als konsequent! Ich hab mir schon mal überlegt, ob ich nicht dazu übergehe und konsequent F bzw. W statt V schreibe, z.B. "Der Fogel auf der Wase". :) Eigentlich braucht man das V gar nicht mehr, außer in Namen wie Valentin oder VW. Äquiwalent, ferführerisch, fäterliche Liebe, Folkswirtschaft, Keramikwase usw. Sieht das so schlimm aus? Man könnte natürlich auch V behalten und stattdessen W und F entfernen: Vasser, Virtschavt, Vogelvutter, Vettpresse, Vildvuchs und Verstopvung. :D

oben hast du diesen satz herausgepickt:
Wenn dies auf nein gestellt wird, legt das System Plugin Cache files im plugin_cache Ordner an.

ich denke korrekt sollte das mal werden:
[...]legt das system plugin-cache-files im ordner "plugin_cache" ordner an.

konsequent wäre das dann durchaus schon, auch wenn die satzstellung etwas hapert...

ps: ich bin einer von denen der nur klein schreibt, aber ja: ich BIN konsequent! ;-)

V wie F auszusprechen ist eine blöde deutsche Erfindung, die sich nur zum Teil durchgesetzt hat, so dass man heute nie sicher weiß, wie man V aussprechen soll wenn man das Wort nicht kennt.
Deswegen im Zweifelsfall traditionell wie W. Wenn man das konsequent durchziehen würde, väre das W überflüssig, es vurde ja eh nur der Schönheit halber erfunden, veil man meinte, das V nicht überall passt aber das ist nur Gevöhnungssache.
Was Photo, Foto, Pferd und Elephant angeht, kann man das doch vereinheitlichen und überall phf schreiben: Phfoto-Phferd, Delphfin-Phfropf, Phflanzen-Phfantasie, ... das wäre doch mal konsequent. Was wohl Mark Twain sagen würde?

Zum Artikel: gefällt mir gut, ich bin selber ein Fan der Bindestrich-Schreibweise und finde Dinge wie "System Plugin Cache files" bescheuert, weil man nicht erkennt welche Wörter jetzt zusammengehören: "Systemplugin Cachefiles" oder Plungin-Cache-Files? Und warum Files klein?
Ich seh das so: Wenn beide Wörter eng zusammengehören dann auch zusammenschreiben, wenn weniger, dann Bindestrich und wenn gar nicht, dann Leerzeichen. Also in diesem Fall: "System Plugin-Cachefiles".
Wür müssen nicht jeden Mist aus dem englischen übernehmen, der Idiotenapostroph und die Alles-Kleinschreibung reicht schon. Wir Zeit, dass die Anderen auch mal was von uns übernehmen und ä,ö,ü einführen und anfangen Substantive groß zu schreiben, das macht nämlich Sinn.

Sehr schöner Artikel, wobei der Beispieltext zum Shopsystem es ziemlich auf die Spitze treibt.

@Falke: Die PHF-Schreibweise gefällt mir und nebenbei bemerkt: "Stop making sense!" ;)
http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,261738,00.html

Toller Artikel!
Was ich noch ergänzen würde (oder ich überlesen habe ;) ), wäre, dass beim Gebrauch der Binnenleerzeichen der eigentliche Sinn des Kompositums oft entstellt wird - und damit auch der Lesefluss. Man stolpert da regelrecht drüber. (Habe leider gerade kein konkretes Beispiel.)

Es gibt ja in der IT die Möglichkeit eines Schmales Leerzeichens (http://de.wikipedia.org/wiki/Schmales_Leerzeichen).
Dessen Unterstützung ist zwar noch nicht überall gegeben aber das wäre doch ein guter Kompromiss oder in einigen Fällen eine weitere Möglichkeit:
Duden Korrektor, Schiff fahrt oder Champions League Sieger, wobei ich in diesen 3 Fällen immernoch den Bindestrich für das Ideale halte.

Besonders in englischen Texten wo Binnenleerzeichen ja (noch) erlaubt sind, kann man sie damit wenigsten kleiner machen und den Zusammenhang der Wörter besser verdeutlichen: shopping center statt shopping center.

Wie ich sehe untersützt dieser/dieses Block schmale Leerzeichen nicht, dass ich es nicht demonstrieren kann, aber das kann jeder z.B. in Word selber ausprobieren mit alt+8201.

Ich bin immer wieder fasziniert, wenn ich solche Artikel lese. Wie sich jemand so mit der Deutschen Sprache auseinandersetzt und - nicht falsch verstehen - "Kleinigkeiten" in langen Artikeln beleuchtet.

Ich lese so etwas gerne, da ich auch meine Kollegen, Bekannten und Freunden immer bei diversen Fehlern korrigiere. Das nervt andere und mich macht es fröhlich... irgendwie ;o)
Mein Problem bei der Korrektur ist nur, dass ich in den seltensten Fällen erklären kann, weshalb das nun falsch ist. Ich weiß es einfach nur.
Grammatik war in der Schule immer ein Graus für mich, aber das wichtigste habe ich gelernt: Größtenteils fehlerfrei schreiben zu können.

Fragt mich jemand "Welcher Fall / welche Zeit / welche Art Wort ist denn das hier?" muss ich meist mit den Schultern zucken; Keine Ahnung.
Aber trotzdem liest sich das, was ich von mir gebe recht ordentlich.

Bitte mehr dieser Artikel :o)

Ich muss doch auchnochmal was dazu sagen. Auch wenn unsere Rechtschreibung viele Strukturen abbildet, die wird (korrekterweise) aus der gesprochenen Sprache abgeleitet haben, so ist sie doch in weiten, weiten Teilen nur eine Konvention, die sich auf keine weiter dahinterliegende objektive Wahrheit und Notwendigkeit berufen kann (wie etwa die Baukunst). Gleichzeit ist unsere Sprache etwas so höchst dynamisches, gerade wenn man sie über längere Zeiträume als ein paar Jahre oder Jahrzehnte betrachtet. Parallel dazu verengt die Schriftsprache das Ausdrucksspektrum der gesprochenen Sprache. Da wir schon sehr früh Schriftsprache lernen vergessen wir fast alles vorschriftliche Bewußtsein von Sprache und seine Schönheit.

Ganz abgesehen davon haben wir Deutschen eine der miserabelsten Rechtschreibungen der westlichen Welt. Da hat man schon ein annähernd phonetisches Alphabet, dessen größter Vorteil eben die eins-zu-eins Abbildung von Phonem und Buchstabe ist … und dann hält man an 10.000 Ausnahmen und Sonderregeln fest. Ich finde, sobald ich die 16 Buchstaben des Alphabets vorlesen kann, sollte ich auch lesen und schreiben können. Alles andere ist mit Denken eigentlich nicht zu rechtfertigen.

Ich finde es nicht schlimm, dass dieses Leerzeichen immer öfters erscheint, auch wenn es manchmal etwas gekünstelt aussieht. In jeder anderen Sprache werden die Wörter ja ganz selbstverständlich auseinander geschrieben. Da heißt es dann Binnen Leerzeichen

@Patti:
Danke für Deine Wortmeldung. Ich möchte darauf gerne erwidern, dass mich, wie im Artikel dargelegt, vor allem die Inkonsequenz und damit auch Lieblosigkeit an der Art und Weise stört, wie die meisten Leute das Binnenleerzeichen einsetzen.
Und was andere Sprachen angeht: gerade das so gerne als „einfach“ zitierte Englisch hat ganz eigene, gar nicht so simple Regeln für die Zusammensetzung von Begriffen – und zwar mit oder ohne Bindestrich. (Allerdings ist auch im Englischen der Bindestrich eine bedrohte Spezies, wie mir ein Bekannter aus England schrieb.)

Das Schmale Leerzeichen schützt ja nicht davor, den Inhalt trotzdem falsch zu erschließen. Im Plugin-Cache-Beispiel hätte ich gewettet, dass die korrekte Konstellation „…System-Plugin Cache-Files…“ lautet, hätte nicht der letzte Halbsatz mit „plugin_cache“ auf etwas anderes hingewiesen. Und genau _das_ ist doch das Problem: Es geht ja nicht darum, dass sich jemand künstlich an der Korrektheit aufhängen möchte. Nur nützt eine Sprache wenig, die doppeldeutig und unverständlich ist und in der jeder Satz erst über den Kontext aufgeschlossen werden muß. Wehe dem, der sich dann in unbekannten Gefilden (Stichwort Bedienungsanleitung) bewegen muß!
Wer unbedingt ignorant durch die Welt der Schriftsprache stolpern muß, der soll es halt tun. Dann aber nicht erwarten, dass ich mit Freuden seine Beiträge lese oder beantworte.

Danke für den interessanten Artikel. Ein Hoch auf das Sprachbewußtsein!

Sehr schöner Artikel!

Dieses Thema wird im Web einfach viel zu selten angesprochen...
Ich selber versuche, nicht alles einfach aus dem Englischen zu übernehmen, wenn man aber mal drauf achtet, fällt einem doch auf, wie viele Anglizismen oder sprachliche Ausdrücke / Bräuche man doch aus dem Englischen bereits übernommen hat...

sehe es ähnlich wie patti - finde es auch nicht schlimm, wenn das hier u. da mal auftaucht, allerdings stimmt das mit den Anglizismen - das nimmt meiner meinung nach auch echt überhand...

Ansonsten ein Artikel der meine Ansicht widerspiegelt. Auch von einigen Agenturen kenne ich leider dieses Verhalten, wo ein aufgeregter Anruf bei mir eingeht wenn der Kunde was am CMS gedreht hat und jetzt ein & nicht richtig escaped wurde.... die Seite sei doch jetzt nicht mehr valide und wenn das der Kunde mit bekäme... http://www.eluxury-sale.org/

Werbe-Kommentare werden wir übrigens löschen. Im Zweifel nehmen wir zumindest den Link zur beworbenen Homepage raus.

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